Anfang Mai 2020 – Ein Offener Brief zum Nachdenken von Pfr. Thomas Dietz aus Schönfeld

Pfr. Thomas Dietz, Schönfeld, Anfang Mai 2020

Ein Offener Brief zum Nachdenken

Sehr verehrter Herr Ministerpräsident Dr. Woidke,
Sehr verehrte Frau Ministerin Nonnemacher!
Sehr verehrter Herr Bischof Dr. Stäblein!

Viele Menschen haben mich gefragt, ob ich auf meinen Offenen Brief vom 20. April an die Landesregierung eine Antwort erhalten habe. Leider ist das nicht der Fall. Ich bedaure das zutiefst, weil es anscheinend nicht mehr zur politischen Kultur in unserem Land gehört! Und ich bedaure das umso mehr in einer Zeit, in der Aufklärung und Nachvollziehbarkeit des regierenden Handelns nötiger denn je ist!

Vor 30 Jahren erlebte ich als damaliger DDR – Bürger das Wunder des friedlichen Endes der kommunistischen Diktatur und die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes. Das war für mich ein unglaubliches Geschehen, mit dem ich niemals gerechnet hatte. Zurzeit erlebe ich, dass unsere Grundrechte wesentlich eingeschränkt sind, ohne erkennbare und überzeugende Gründe!

Während der DDR – Zeit hatte ich auf meinem Schreibtisch den Spruch meines Lieblings-Autors als Jugendlicher stehen: “Immer, wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit sich zu besinnen.” (Mark Twain) – Christlicher Glaube, die Tradition meiner Familie, die sowohl der braunen als auch der roten Diktatur kritisch gegenüber standen und dieser Spruch haben mich als Jugendlicher und Erwachsener in der DDR ermuntert, immer wieder kritisch nachzufragen und sich mit dem politisch Vorgegebenen nicht zufrieden zu geben! Das war nicht immer einfach. Das hat mir auch manchen meiner erhofften Lebenswege verstellt. Wie nie zuvor erinnere ich mich jetzt wieder an diese Zeit! – Im Laufe des Monats März empfand ich zunehmend die Einseitigkeit der Informationen zum Thema des Corona – Virus durch die GEZ- finanzierten Medien. Ich hörte im Wesentlichen nur die Namen von 2, vielleicht 3 Wissenschaftlern, nicht selten mit beängstigenden Prophezeiungen versehen, die von unseren Politikern undifferenziert übernommen wurden. Andere Wissenschaftler kamen und kommen bis heute so gut wie gar nicht zu Worte oder sie werden gar von Nicht – Fachleuten disqualifiziert. Ich suchte weiter, jeden Abend, und ich traf auf sehr gute Beitrage zum Thema Corona – Virus von Prof. Püschel aus Hamburg, Dr. Schiffmann aus Sinsheim, Prof. Homburg aus Hannover, Prof. Paul Robert Vogt aus Zürich, Prof. Streeck aus Bonn, Prof. Bhakdi aus Mainz und Prof. Ioannidis aus Stanford. Heute, am 1. Mai, erlebte ich, dass ein hervorragendes Interview von “Servus Talk Spezial” mit Prof. Bhakdi nach einigen Stunden auf YouTube gelöscht wurde. Ist Prof. Bhakdi zu “seriös“, wie ihm das ZDF vorwarf!? Ist er auch Ihnen zu seriös, um sich von ihm Rat zu holen? Mich erinnerte dies fatal an die zensierten Kirchenzeitungen während der DDR – Zeit, die dann mit weißen Flecken erschienen! – Unabhängig der Richtigkeit der Aussagen einzelner Wissenschaftler schockiert mich, dass derzeit in Deutschland, auch in Brandenburg, kein öffentlich freier Meinungsaustausch möglich ist und keinerlei überzeugende Argumente für die Außerkraftsetzung unserer Grundrechte und des öffentlichen Lebens gegeben werden. Stattdessen führen Sie zu einem Zeitpunkt, an dem die Pandemie im Abklingen ist, den Mund-Nasenschutz als Pflicht ein, der noch vor kurzem als unwirksam dargestellt wurde, den nach wie vor auch gegenwärtig führende Mediziner als „lächerlich“ einstufen und der in seiner Wirksamkeit in Ihrer eigenen Presseveröffentlichung vom 27.4. fragwürdig dargestellt ist. Warum tun Sie solche widersprüchlichen Handlungen? Sie schüren Angst! Wollen Sie das? – An diesem Wochenende sind im SPIEGEL die täglichen Todesfälle im ersten Quartal diesen Jahres im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren veröffentlicht worden. Es gibt keine Übersterblichkeit! Es gab sie auch nicht! Warum wird dann nicht endlich dieser todbringende Lockdown beendet? Sterben erlebe ich, aber ganz und gar anders: Ich erlebe, wie mühsam aufgebaute Existenzen einbrechen, wie Menschen ruiniert werden, wie Menschen vereinsamen, wie Menschen nicht einmal von ihren Angehörigen Abschied nehmen dürfen, wie die Bildung von Kindern und Jugendlichen auf Wochen und Monate hin unterbrochen und auf ein niedriges, billiges Niveau gefahren wird, ich erlebe, wie Menschen in Depressionen versinken, ich erlebe, dass Enkel sich nicht trauen ihre Großeltern zu besuchen und in die Arme zu nehmen, wie erstmals seit der Christianisierung Mitteleuropas keine Gottesdienste gefeiert werden dürfen, wie jegliches Kulturelle und Vereinsleben erstirbt, ich erlebe wie Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit um sich greifen, dass erkrankte Menschen nicht im Krankenhaus aufgenommen werden, obwohl dies zur Hälfte leer steht, ich erlebe, dass Angehörige Patienten nicht besuchen dürfen, dass Kinder verwahrlosen, weil der einzige Ort, an dem sie tagsüber gut aufgehoben waren, die Kindertagestätte, seit Wochen geschlossen ist, ich erlebe, wie einerseits der Föderalismus gelobt wird und andrerseits total versagt. Mit welcher Begründung hält man in einem riesigen Landkreis, wie dem unsrigen, einen Lockdown aufrecht, in dem zur Zeit 0,029 % der Bevölkerung an Covid 19 erkrankt ist, besser war, sich nur ein kleiner Teil davon im Krankenhaus aufhielt und ein großer Teil bereits wieder genesen ist? Ich erlebe, wie jegliche Eigenverantwortlichkeit durch staatlich verordnete Regulierungswut zerstört wird! Ich erlebe wie zunehmend die gesellschaftliche Atmosphäre durch Angst und Denunziation geprägt ist. Und vieles, vieles mehr. Vor allem: Ich erlebe, wie die Gemeinschaft in dieser Gesellschaft zerbricht! Und begleitend: Ich erlebe auch traurig und enttäuscht, dass meine eigene Kirche versagt und keine Stellung bezieht. Dies ist ganz und gar anders als zur DDR – Zeit! Dort hat Kirche Mut bewiesen, auch wenn nicht alles richtig war. –

Die Gleichgültigkeit gegenüber all diesen Erscheinungen macht mich sehr betroffen! Und ich frage mich: Welche Perspektive geben wir Alle eigentlich noch unserem Land, unserem Zusammenleben, welche Perspektive geben wir eigentlich noch der nachfolgenden Generation?

Mit freundlichen Grüßen, Dank und Gott befohlen!

Ihr Thomas Dietz

Schönfeld, Anfang Mai 2020

Evangelischer Pfarrsprengel Schönfeld

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