Kreisrat Reinhart Keßner, Görlitz, mit engagierter Rede bei Demonstration

„Was reden diese Verschwörungstheoretiker eigentlich“, wird verwundert gefragt, auch in der Kirche. Ein uns zugesandtes Beispiel eines engagierten Christen, Rede von Ende Januar 2022:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

es ist mir ein großes Anliegen, heute zu Ihnen zu sprechen.

Mein Name ist Reinhart Keßner, ich wohne in Löbau, bin 60 Jahre alt und ein echter Oberlausitzer!

 

Ich spreche zu Ihnen als Mitbürger, als Kommunalpolitiker und als parteiloser Kreisrat des Landkreises Görlitz, als gläubiger Christ, als Handwerksmeister in inzwischen 6. Familiengeneration und nicht zuletzt als vierfacher Vater und achtfacher Großvater.

 

Wir sind hier versammelt, weil uns die Entwicklung in unserem Land zutiefst beunruhigt und wir politische Entscheidungen nicht nachvollziehen können. Grenzen und rote Linien wurden und werden überschritten. Manche Politiker handelten in die eigene Tasche, begingen Wortbruch oder nutzen gefälschte Statistiken.

Aus den bitteren Erfahrungen der faschistischen Nazidiktatur wurde für das Nachkriegs-Deutschland ein weises Grundgesetz erarbeitet. Dieses wird seit nahezu zwei Jahren zunehmend ausgehebelt und untergraben. Grundrechte werden den Bürgern in nie dagewesener Weise entzogen. Um den Fortbestand einer funktionierenden Demokratie machen sich viele Menschen im Land ernsthafte Sorgen.

Als Zivilgesellschaft ist es geradezu unsere Bürgerpflicht, diesen Entwicklungen entgegenzutreten. Der alte Spruch „Währet den Anfängen“ ist und bleibt aktuell. Niemand von uns darf einem System von Bevormundung, Schuldzuweisungen und der Ausgrenzung von Minderheiten durch sein aktives oder auch sein inaktives Handeln den Nährboden geben.

 

Wir auf diesem Platz, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sind naturgemäß in Vielem unterschiedlich. Unterschiedlichkeit und Individualismus bereichert unser aller Leben und das ist auch gut so. Vieles aber auch vereint uns, und deshalb sind wir heute hier.        So treten wir entschieden der Spaltung unserer Gesellschaft entgegen. Beim Thema „Impfen“ gibt es unterschiedliche Ansichten. Zahlreiche von Ihnen haben sich Corona-Impfen lassen, Viele von Ihnen haben sich nicht Corona-Impfen lassen. Beide Entscheidungen sind gegenseitig zu respektieren.       Oft führte ein massiv zunehmender Druck zur Impfung, oft waren es aber auch eigene Ängste, z.B. der vor Ausgrenzung und Benachteiligung oder auch die innere Überzeugung. Das Wichtigste aber: Lasst uns nicht in zwei Lager spalten! Denn, wir sind EIN Volk!

 

Mit Schaudern denke ich an mediale Hetzer und Scharfmacher wie z.B. den Politikchef von RTL, Nicolaus Blome, der bereits am 20.12.2020 im SPIEGEL gefordert hatte: Ich zitiere: „Möge die gesamte Republik mit Fingern auf die Menschen zeigen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten“. Weiter sagte er sinngemäß: „ich ersuche ausdrücklich darum, dass diese Menschen gesellschaftliche Nachteile haben“.

 

Derartige Aussagen sind Volksverhetzungen, wie sie auch im faschistischen Deutschland stattgefunden haben. Genau deshalb treten wir heute auf dieser Versammlung auch entscheiden gegen jede Form von Faschismus ein.

 

Aktuell treibt viele Menschen in der Gesellschaft die Sorge um eine Impfplicht um. Nahezu alle Politiker bekannten sich vor der Bundestagswahl öffentlich, dass es in Deutschland keine Impfplicht geben wird. Das Vertrauen in die deutsche Politik ist heute zutiefst erschüttert, da große Teile aus Regierung und  Opposition sich nur wenige Wochen nach der Bundestagswahl für eine Impfplicht aussprachen.

Die Artikel 1 und 2 unseres Grundgesetzes schließen derartige, fundamentale Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht ausdrücklich aus! Allein die Diskussion über eine Impfplicht ist absurd.

 

Wie viele von Ihnen wissen, wurde als Reaktion auf die im faschistischem Naziregime durchgeführten medizinischen Menschenversuche der sogenannte „Nürnberger Codex“ eingeführt. Darin heißt es u.a.: „Kein Mensch ist verpflichtet, sich gegen seinen Willen einer med. Behandlung auszusetzen“. Dieser Codex darf seinen Bestand nie verlieren!

 

Der sächsische Ministerpräsident sagte am 5. Mai 2020 öffentlich: Ich zitiere: „Niemand wird in Deutschland gegen seinen Willen geimpft. Auch die Behauptung, dass diejenigen, die sich nicht impfen lassen, ihre Grundrechte verlieren, ist absurd und bösartig. Lassen Sie uns Falschnachrichten und Verschwörungstheorien gemeinsam entgegentreten.“ Ende des Zitats.

 

Der gleiche Ministerpräsident hat sich kürzlich zusammen mit den übrigen Ministerpräsidenten für eine Impfplicht ausgesprochen. Er hat damit einen schweren Wortbruch begangen. Normalerweise übernehmen Politiker mit Charakter dafür die Verantwortung. Unser schöner Freistaat Sachsen hat aufrichtige Persönlichkeiten an der Spitze verdient, den die Bürger des Landes vertrauen können! Ich frage mich, wie unser Ministerpräsident das verloren gegangene Vertrauen jemals wiederherstellen will?

 

An dieser Stelle möchte ich mich als Kreisrat des Kreistages Görlitz an die beiden, von mir sehr geschätzten Landräte unserer Oberlausitz, Bernd Lange und Michael Harig wenden:

Verehrte Landräte, setzen Sie sich bitte weiterhin entschieden gegenüber der sächsischen Staatsregierung dafür ein, dass die Impfplicht für das medizinische und das Pflegepersonal in Sachsen und natürlich auch in ganz Deutschland zurückgenommen wird!! In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es viele Menschen, die in diesen relevanten Berufen beschäftigt sind. Die zunehmend große Sorge um eine Impfplicht treibt viele von ihnen um, mehr und mehr haben sich inzwischen krankschreiben lassen, weil es Ihnen psychisch nicht gut geht und sie den Druck nicht mehr aushalten. Es sind von der Gesellschaft geschätzte Menschen, von denen ich spreche, die sich zum Teil bereits seit mehreren Jahrzehnten für das Wohl ihrer Patienten einsetzen.  Tun Sie alles in Ihren Kräften Stehende, lieber Herr Lange und lieber Herr Harig, diesen Menschen zu helfen. Nutzen Sie die Plattform des Sächsischen Landkreistages, verbünden Sie sich politisch und treten Sie für die sofortige Abschaffung all dieser unsäglichen Maßnahmen ein. Setzen Sie sich über die Ihnen zur Verfügung stehenden Netzwerke auch dafür ein, dass Deutschland vor einer allgemeinen Impfplicht dauerhaft verschont bleibt.

Setzen Sie sich auch dafür ein, dass es auf kommunaler, auf Landes- und auch auf Bundesebene sogenannte „Runde Tische“ gibt, an denen respektvoll über unterschiedliche Wege zur Lösung der gesellschaftlichen Krise debattiert wird mit dem Ziel, einen breiten Konsens zu finden.

 

Erlauben Sie mir abschließend noch ein Wort zu den Kirchen:

 

Ich bekenne mich hier auf diesem Platz als gläubiger Christ. In den letzten zwei Jahren habe ich zig Gespräche mit vielen Repräsentanten unserer Kirche geführt, u.a. mit Landesbischof Tobias Bilz, weil mich die Ohnmacht unserer Kirchen und die Kritiklosigkeit zutiefst beunruhigt.

So etwas gab es schon einmal in der deutschen Kirchen-Geschichte. Wir durften aber Ende der achtziger Jahre auch das Gegenteil dessen erleben. Kirche war ein Schutzraum für Andersdenkende und für Ausgegrenzte. Und heute? Am 25.12.2021 sprach sich die höchste Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Frau Bischöfin Annette Kurschus, für die allgemeine Impfplicht in Deutschland aus. Ungeimpfte Christen finden heute nur noch sehr eingeschränkt einen Schutzraum in den Landeskirchen.

Liebe Verantwortlichen der Kirchen, Superintendenten, Pfarrer, Diakone, Gemeindehelfer, Kirchvorsteher, Synodale: wann wacht der Großteil von Euch endlich aus dieser Ohnmacht auf? Wann nehmen die meisten von Euch endlich den seelsorgerlichen Auftrag vollumfänglich wahr? Wann öffnet Ihr die Kirchen wie 1989 für alle Menschen, die kommen wollen, nicht nur, wie vorgestern im Bautzener Dom geschehen, nur für eine bestimmte Gruppe wie in dem Fall das Bündnis „Bautzen Gemeinsam“?

Ihr spaltet die Gesellschaft mit solchen Aktionen auch als Kirche, und ihr spaltet damit auch Eure Kirchgemeindemitglieder.

Schließlich und endlich aber gilt es auch, denen, die unter der 2G-Regel leiden und die durch sie benachteiligt werden, beizustehen und von staatlichen Organen aktiv die Abschaffung dieses Unrechts zu fordern, anstatt im kirchlichen Raum zunehmend 2G zu praktizieren!! Jüngstes Beispiel unsere Löbauer Nicolaikirche: da finden Chorproben und erste Konzerte unter 2G statt. Und das in der Kirche, die für ALLE offen sein MUSS! Auch das ist Teil des Gebots der Nächstenliebe, das zusammen mit der Liebe zu Gott das höchste Gebot überhaupt ist (Mt. 22,37-40).

Als Christ bete ich dafür, dass die politisch, gesellschaftlich und kirchlich Verantwortlichen in unserem Land bereit zur Selbstkorrektur ihres Kurses sind. Ich bete auch dafür, dass wir, die Bürgerinnen und Bürger auf der Straße, immer friedlich bleiben und Andersdenkende niemals diffamieren oder wir uns über sie erheben. Ein wichtiger Grundsatz von 1989 – der friedlichen Revolution in der DDR – war:

KEINE GEWALT! Dies muss unbedingt auch heute gelten. Und dort, wo Gewaltbereite sich untermischen, muss die Zivilgesellschaft sofort an Ort und Stelle  einschreiten. Nur so erreichen wir auf friedlichem Wege Veränderungen.

Ermutigen möchte ich Sie alle auch, mit Ihrem Gemeinde-, Kreistags-, Landtags-, Bundestags- und auch Europaabgeordneten Kontakt aufzunehmen, und ihnen zu sagen, dass sie sich aktiv für eine Lösung der aktuellen gesellschaftlichen Krise einsetzen mögen und an der Lösung vor Ort aktiv mitwirken. Als Kreisrat sage ich, wir, die gewählten Volksvertreter, sind auch dafür gewählt und somit letztendlich auch verantwortlich.

Ich möchte mich abschließend bei den Organisatoren, den Polizisten und den Ordnern bedanken, die für den reibungslosen und friedlichen Verlauf dieser Veranstaltung verantwortlich sind!

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