Offener Brief von 37 Christen aus der Oberlausitz fordert EKD und Deutsche Bischofskonferenz auf: Zeigen Sie Gesicht!

Offener Brief

Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, Herrenhäuserstraße 12, 30419 Hannover
Deutsche Bischofskonferenz, Kaiserstr. 161, 53113 Bonn

Sehr geehrte Damen und Herren des Rates der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz,
wir Christen sind besorgt über die politischen Zustände in unserem Land, die unter dem Deckmantel der Corona-Pandemie um sich greifen.

Nicht nur die Gefährlichkeit und die Ausbreitung des Corona-Virus ist unsere Sorge, sondern die Handlungsweise, wie die Verantwortungsträger in dieser bisher nie dagewesenen Situation ihre Macht gebrauchen und damit nicht nur die ökonomische Grundlage des Staates ruinieren, sondern auch in die persönliche Sphäre der Menschen eingreifen und den inneren Frieden beschädigen. Das treibt uns mit Sorge um.

Die Auswirkungen greifen tief durch die Zerstörung von Existenzen, die für viele Menschen mit Perspektivlosigkeit einhergeht. Auch hat das ständig verbreitete Bedrohungsszenario zu schmerzhaften Rissen in Familien und Freundeskreisen geführt. Das Evangelium, die Frohe Botschaft ist unsere Richtschnur, die uns Hoffnung auf Erlösung und den Glauben an das ewige Leben gibt. Und so erwarten wir, dass die Kirche ihre Stimme gegen die Politik der Angstverbreitung durch den Staat und durch die Medien erhebt.

Unbegreiflich ist für uns die Hinnahme der gefühllosen Machtausübung und der Selbstinszenierung der verantwortlichen Politiker. Dazu gehört auch, dass alle maßgeblichen Entscheidungen nur auf der Grundlage einer einseitigen wissenschaftlichen Expertise getroffen werden. International renommierte Wissenschaftler und Ärzte werden nicht nur nicht angehört und nicht in die Entscheidungsprozesse eingebunden, sondern auch diffamiert, wenn sie nicht der offiziell verbreiteten Sicht folgen. Stattdessen hält die Staatsführung unbeirrt an den harten, unverhältnismäßigen Maßnahmen fest und das nicht auf gesetzlicher Grundlage, sondern auf der Basis von Sondervollmachten. Andersdenkende sehen sich der Verunglimpfung mit primitiven Prädikaten wie Aluhüte, Antisemiten, Rechtsradikale und so weiter ausgesetzt.

Unbegreiflich ist für uns die Selbstenthauptung der Öffentlich-Rechtlichen Medien. Ihre Funktion als „vierte Gewalt“ haben sie aufgegeben. Sie dienen nur noch als Sprachrohr einer Einheitsmeinung. Kritische Informationen sind nur über alternative Medien erhältlich, die zunehmend in ihrer Arbeit behindert und beschmutzt werden.

Unbegreiflich ist für uns die Hinnahme dieser totalitären Machtausübung des Staates, der in einem Wettbewerb im Verbieten mündet. Dazu gehören auch arbeitsrechtliche Konsequenzen für nicht konforme Mitarbeiter, Aufruf zur Denunziation, Polizeigewalt und neuerdings die Forderung, die staatliche Autorität in Privatwohnungen auszuüben. Damit ist eine Grenze endgültig überschritten.

Wir Unterzeichner sind ehemalige Bürger der DDR. Viele von uns engagierten sich in der Friedensbewegung und während der friedlichen Revolution 1989. Wir leben auch von der dankbaren Erinnerung, dass die Kirche damals für uns immer ein Rückhalt im Leben war und uns die Kraft gegeben hat, gegen Anfeindungen des Staates standzuhalten. Sie hat den Menschen die Türen geöffnet, um ihre Anliegen vorzutragen, hat ihnen Trost gespendet und Schutz geboten vor Übergriffen und ihre Vertreter haben ihren Einfluss bei den staatlichen Stellen geltend gemacht. Die Kirche hat Partei im Sinne ihrer christlichen Botschaft ergriffen und somit einen nicht unwesentlichen Einfluss auf den Lauf der Geschichte ausgeübt. Heute unterwirft sich die Kirche widerstandslos staatlichen Anordnungen, die beispielsweise zur Schließung der Gotteshäuser zum Osterfest im Jahr 2020 geführt haben. Wir sind der Meinung, dass jedem Christen mit dem nötigen Gottvertrauen der freie Zutritt zu einem Gotteshaus gewährleistet sein muss, zumal am wichtigsten Feiertag des Jahres. Nun steht Weihnachten vor der Tür. Wie soll es weiter gehen? Zeigen Sie Gesicht!

In einer Gesellschaft, die sich immerfort auf christliche Werte und Traditionen beruft, sich aber zunehmend in totalitäres Fahrwasser begibt, finden wir es an der Zeit, dass sich die Kirche zu dieser Entwicklung mit eindeutigen, öffentlich wahrnehmbaren Worten positioniert und den Christen im Land eine klare Orientierung gibt. Noch leben wir nicht in einer Zeit, in der ein aufrechter Christ sich für seine Überzeugung dem Schicksal eines Dietrich Bonhoeffer oder eines Kaplan Gerhard Hirschfelder ergeben muss. Aber wissen wir, wohin das noch führt?

Darum bitten wir Sie um ein klares Wort.

Für die Unterzeichner
Björn Ehrlich
Zittauer Str. 48 a
02763 Bertsdorf-Hörnitz

Bertsdorf-Hörnitz, den 19.11.2020

Anlage: Die Unterzeichner

Dr. Johannes Werner, Zittau

Prof. Dr. Peter Dierich, Zittau

Peter Pachl, Kurort Jonsdorf

Stefan Reuter, Mittelherwigsdorf

Andreas Prescher, Großschönau

Juliane Prescher, Großschönau

Frank Jautze, Zittau

Steffen Halang, Mittelherwigsdorf

Elvira Lohrberg, Zittau

Reinwald Lohrberg, Zittau

Dietmar Kuttner, Zittau

Roland Eckhart, Wittgendorf

Regine und Siegbert Heyer, Bertsdorf-Hörnitz

Yvonne Müller, Kurort Jonsdorf

Steffen Golembiewski, Zittau

Dr. Lutz Hochberger. Kurort Oybin

Gudrun Kern, Zittau

Reinhart Keßner, Löbau

Steffen Kern, Zittau

Claudia Loewenau, Zittau

Gerd Heubaum, Zittau

Gabriele und Gerhard Watterott

Heike Keßner

Marcus Keßner

Frank Schaaf, Großschönau

Felix Schaaf, Großschönau

Thomas Schaaf, Großschönau

Ramona Schaaf, Großschönau

Dieter Schaaf, Großschönau

Rita Schaaf, Großschönau

gez. Matthias Feistel, Frankenblick

gez. Angelika Feistel, Frankenblick

gez. Roman Rost, Zittau

gez. Angelika Duda, Eibau

Nachtrag 05.12.2020

Unter dem Titel: „Corona: AfD-Lob für Zittauer Kritiker“ hat die Sächsische Zeitung die Verfasser des Briefes, der u.a. an alle Fraktionen des sächsischen Landtages gerichtet war, bewusst in eine politische Ecke gestellt. Die Verfasser haben hierzu eine Beschwerde an die Redaktion der Sächsischen Zeitung gesandt, die zugleich an den Presserat geleitet wurde. Hier können Sie die Beschwerde einsehen.

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