Virologe Streeck: Wie können wir Leben ermöglichen, ohne die Infektionszahlen hochzutreiben?

Hendrik Streeck fährt einen gänzlich anderen Kurs als sein Bonner Vorgänger Drosten oder als der Public-Health-Manager Lauterbach. Er hält nichts von Alarmismus, dagegen aber viel von genauer wissenschaftlicher Beobachtung, der Fähigkeit zur Selbstkorrektur und Ausgewogenheit von Maßnahmen. Dass er dafür gerade in letzter Zeit wieder medial hart angegangen wird, darf man sicher als ein Zeichen dafür lesen, dass die medizinischen Regierungsberater und die handelnden Politiker in der argumenativen Klemme stecken: Nach Monaten eines recht erfolglosen Lockdowns drohen die Problematik der hochgehaltenen Inzidenzwerte, das Masken-, Test- und Impfchaos der Regierung das Deutungsmonopol zu zerlöchern. Was geschieht, wenn die Medien dies eines Tages nicht mehr nur auf unglückliche Einzelvorschriften und die untergeordnete Bürokratie schieben. Und was geschieht, wenn die bisher immer noch eher zurückhaltende öffentliche Kritik am Regierungskurs nicht mehr nur die Maßnahmen in den Blick nimmt, sondern etwa auch die Analyse?
Aus diesem Grund dürfte es aus Sicht der Meinungsführer wichtig sein, an Streeck ein Exempel zu statuieren, ihn mundtot zu machen, damit auch andere Kolleginnen und Kollegen, die die Dinge ähnlich sehen wie er, es nicht wagen, damit in die Öffentlichkeit zu gehen.

Umso wichtiger, dass Streeck seinen – im Grunde ja sehr, sehr vorsichtigen – Kurs weiterfährt. Er bietet der Regierung Alternativen an, hält sich im Grunde in der Kritik noch zurück und bietet somit immer noch die Chance, dass die Politik sich auch von ihm beraten lassen könnte, ohne dabei komplett das Gesicht zu verlieren.

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